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| Der
Tower ist das Wahrzeichen der
Rennstrecke von Manama |
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Erst Ende 2002 setzte Formel-1-Supremo
Bernie Ecclestone seine Unterschrift
unter den begehrten Grand-Prix-Vertrag.
Wahrzeichen der Anlage ist der sich nach
unten verjüngende "Sakhir-Tower". Er
ragt acht Geschosse hoch aus der
Wüstenszenerie heraus.
Zuschauertribünen, Garagenkomplex und
VIP-Lounges sowie die Gebäude für die
Rennleitung tragen Dachaufsätze, die an
die typischen Zelte der Wüstenvölker
erinnert. Der Bereich von Fahrerlager
und Boxen stellt dabei so etwas wie eine
Oase dar, in die die Piloten nach ihrer
Runde durch die sandige Ebene immer
wieder zurückkehren.
Wir sitzen im Pressezentrum
mittendrin, am Eingang des Fahrerlagers,
ich kann von meinem Platz hier genau ins
Fahrerlager schauen, wo die Teams nicht
wie sonst in Motorhomes sitzen, sondern
in gekühlten Pavillons.
Gastfreundlichkeit wird hier ganz
groß geschrieben, überall hat man das
Gefühl, willkommen zu sein. Das Essen
ist herrlich und an der Strecke ist die
Verpflegung der VIP-Gäste bis ins Detail
perfektioniert: 20 Tonnen Eis, 1.500
Kuchen, 2.300 Hummer, 750 Kilo Krabben,
600 Eier, 5.000 Liter Orangensaft werden
hier an diesem Wochenende konsumiert...
Ach ja, nicht zu vergessen: Und 400 Kilo
Schokolade.
"Es kommen Motorsportenthusiasten aus
40 Ländern!", freuen sich die Bahraini.
Bahrain hat eine Bevölkerung von 670.000
Einwohnern, pro Jahr kommen drei
Millionen Touristen ins Königreich, das
aus einem 33 Inseln umfassenden Archipel
besteht.
Die Landung in Bahrain: Die
Einflugschneise geht über
sandig-steinige Felder. Die Einreise
klappt immer super schnell. Eigens
eingerichtete Zollschalter für
Formel-1-Gäste, kaum langes Anstehen.
Visa - kein Problem. Der Mietwagen wird
einem an den Terminalausgang gebracht,
beim Nachtanken vor der Abgabe muss man
unwillkürlich schmunzeln: Ein Liter
Super für umgerechnet 0,16 Euro! Da
würde man doch zu gerne ein paar
Behälter davon mit nach Hause nehmen.
Auf dem Weg von der Stadt zur
Rennstrecke zeugen Baustellen und
weitere Bauvorhaben vom Aufblühen
Bahrains. Einfach scheint das aber nicht
zu sein, denn die Wüste dort ist keine
Sandwüste wie wir sie uns vorstellen,
sondern eher eine Stein- und
Geröllwüste.
Es ist ziemlich öde und gelb-grau,
immer wieder Gesteinsbrocken, die wohl
auch Streckenarchitekt Hermann Tilke das
Leben beim Bau des Kurses auch schwer
gemacht haben. Er musste damals nicht
nur eine Sandschicht abgraben, sondern
eine Gesteinsschicht wegsprengen lassen.
Bei der Analyse der Anforderungen der
Grand-Prix-Strecke sahen sich übrigens
vor dem ersten Grand Prix 2004 manche
Ingenieure in die Mitte der 80er-Jahre
versetzt, als der Dünenkurs von
Zandvoort noch auf dem Formel-1-Kalender
stand. Die Parallele: Ebenso wie an der
holländischen Nordsee wehen auch in der
arabischen Wüste die Windböen immer
wieder Sand auf die Strecke.
Wer den Weg zur Strecke nicht gleich
findet, dem weisen lächelnde
Papp-Formel-1-Piloten den Weg, und
direkt an der Strecke zeigt sich das
westliche Bahrain: Ein McDonalds.
Ein kleiner Tipp für
Bahrain-Reisende: Es wird hier als
Beleidigung empfunden, wenn man die
Fußsohlen eines anderen sieht, also,
immer fein die Schuhe anlassen, nur
nicht in der Moschee, denn dort darf man
nur hinein, wenn man die Schuhe
auszieht, als Frau muss ich mir dazu
noch ein Tuch über die Haare legen.
Die "Große Al Fateh Moschee" in
Manama ist übrigens sensationell - 7.000
Leute passen hier hinein, allabendlich
ruft der Muhezzin zum Gebet, sein Gesang
ist über der ganzen Stadt zu hören. An
der Uferstraße wird, wie seit Jahren
hier in Bahrain, überall wie wild
gebaut, ganz prominent: die Bahrain
World Trade Center Twin Towers, zwei
Türme mit blauer Verglasung in Form
zweier Dhow-Segel.
Etwas vom Stadtzentrum entfernt liegt
das 'Ritz Carlton'-Hotel mit eigener
kleiner Insel, am Strand und mit
einzelnen VIP-Villen. Dort wohnen die
meisten Piloten.
Das Essen in Bahrain - hervorragend.
Einfach mal probieren, vor allem die
vielen kleinen verschiedenen Vorspeisen
- sensationell. Am besten war's dann
vergangenes Jahr aber beim Inder - ein
kleiner Geheimtipp vom Manager unseres
Hotels (der zufällig Inder ist):
Fantastisches Buffet mit Live-Musik (der
Sänger erweckte den Eindruck, geradewegs
aus Bollywood eingeflogen zu sein,
allein die typischen Handbewegungen beim
Singen waren faszinierend!).
Was dort im Vergleich zu den meisten
anderen Restaurants fehlte, war das
gemütliche Blubbergeräusch bei dem man
nach einem leckeren Essen fast
einschlafen kann: Der Bahraini an sich
scheint zum Abendessen gerne mal die
Wasserpfeife zu genießen...natürlich nur
mit Tabak, oder gar Apfeltabak, aber
auch der benebelt einen leicht...
Ich habe mir abends mal den Basar,
oder besser gesagt Souq angeschaut, war
aber etwas enttäuscht. Eigentlich hatte
ich jede Menge Stände mit Essen,
Teppichen, Gold, Gewürzen und
orientalischen Besonderheiten erwartet.
Stattdessen gibt es eine Gasse mit
Kofferläden, eine mit Wasserpfeifen,
eine mit Schmuckgeschäften und jede
Menge Krimskramsläden, in denen von der
Küchenmaschine über gefakte
Dior-Handtaschen bis hin zu
Formel-1-T-Shirts alles ausliegt.
Soudek verkauft in seinem Shop nicht
nur nachgemachte Formel-1-T-Shirts für
umgerechnet drei Euro. Am meisten
beeindruckt hat mich ja die blau-weiße
Wasserpfeife im Laden von Farman Ali -
gar nicht mal so teuer, nur umgerechnet
50 Euro, aber ich habe natürlich keine
Ahnung, wie man sie A transportieren
könnte und B, was der deutsche Zoll wohl
zu so einem Souvenir sagen würde?
Cool fand ich den Schuhmacher der in
einem winzigen Raum quasi auf der Straße
Schuhe maßanfertigt. Und in der Straße
mit den Schmuckgeschäften wird man
förmlich geblendet, manchmal im wahrsten
Sinne des Wortes - ist hier doch nicht
alles Gold, was glänzt. Man(n) kauft
hier für seine Frau(en) übrigens nicht
mal einen Ring oder eine Kette, sondern
gleich mehrere. Und die werden dann
abgewogen, bezahlt wird nicht pro
Schmuckstück, sondern nach Gewicht.
Bahrain ist übrigens ein seit 1971
vom britischen Protektorat unabhängiges
Arabisches Emirat. Staatsoberhaupt des
Königreichs ist der Emir, der mittels
Kabinett regiert. Der Islam ist
Staatsreligion. Annähernd 90 Prozent der
Bevölkerung sind Muslime. Davon sind
rund 70 Prozent Schiiten, 30 Prozent
Sunniten. Insgesamt leben knapp 670.000
Menschen in Bahrain. Frauen dürfen hier
seit 2002 wählen!
Ich werde an diesem Wochenende leider
nicht selbst in Bahrain sein, sondern
durch meine Kollegin Britta Weddige
vertreten. Den ersten Bahrain-Grand-Prix
haben wir zusammen bestritten, ich
hoffe, sie legt einen Besuch bei unserem
Lieblingsrestaurant ein - dort pafften
die Bahraini direkt neben unserem Tisch
die fetten Wasserpfeifen. Natürlich nur
mit Pfefferminze gefüllt.
In diesem Sinne,
Salem Aleikum
Inga Stracke - diesmal nicht von der
Strecke |