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  F1 Rückblick - GP Bahrain - 15. April 2007


 
 
 
Stracke an der Strecke: Rennfieber im WüstensturmBritta Weddige vertrat Inga Stracke in Bahrain und erlebte ungewöhnliches Wetter und orientalische Eigenheiten

Hallo und "Salem Aleikum" liebe Formel 1 Freunde - statt Inga Stracke melde ich mich diesmal aus der bahreinischen Wüste,

Bahrain, Mini-Königreich im Persischen Golf, Salem Aleikum und Tausend und eine Nacht - dass man unterwegs ist in eine andere Welt, merkt man schon im Flugzeug. Im Audio-Unterhaltungsprogramm der Airline läuft auf Kanal 1 eine Lesung aus dem Koran, auf dem Display der Flugdaten wird auch immer mit angegeben, in welcher Richtung und wie weit entfernt das Heiligtum Mekka liegt. Religion hat im Mittleren Osten eben einen wesentlich höheren Stellenwert als bei uns.

Aber Bahrain ist trotz aller religiösen Werte sehr westlich, und manchmal kann man einen skurrilen Mischmasch der Kulturen erleben: Zum Beispiel die junge Dame am Flughafen von Abu Dhabi, die die Tradition, dass Frauen ihren Körper weitgehend verhüllen sollten, gekonnt mit einem sexy Outfit kombiniert hat. Sie trug einen hautengen Catsuit mit langen Armen und Beinen, darüber aber nur einen äußerst knappen Minirock. Ob das so im Sinne des Erfinders - oder des Propheten - war?

Der Flug von Abu Dhabi gestaltete sich übrigens ziemlich chaotisch: Während ich im Flieger von München eine komplette Reihe für mich hatte (so leer habe ich ein Flugzeug zuletzt kurz nach dem 11. September 2001 erlebt), ging es beim Weiterflug drunter und drüber. In der Holzklasse .. äh.. der Economy Class, drängten sich Passagiere aus aller Herren Länder, es wurde um Stauraum gekämpft und es dauerte eine Weile, bis endlich jeder auf seinem Platz saß.

Mittendrin im Chaos: Giancarlo Fisichella samt Frau und seinen zwei Kindern. Der Renault-Pilot quetschte sich mit seiner Familie in die Holzklasse, bei der Ankunft in Bahrain war er aber wieder ganz Formel-1-Star. Die Familie wurde am Flieger abgeholt und von einer Eskorte an Passkontrolle und Zoll vorbei gelotst. Aber auch wir "Normalen" verloren nicht viel Zeit bei der Einreise: Extra Schalter für das Formel-1-Personal wurden eingerichtet, mein Koffer stand auch schon da, so schnell geht es selten. 

Und schon am Flughafen zeigte sich: Ganz Bahrain ist im Formel-1-Fieber. Schon hinter dem Gepäckband konnte man Fan-Shirts aller Teams kaufen, die Straßen vom Airport in die Stadt waren mit großen "Welcome-F1-Plakaten" geschmückt und auf einem Hochhaus stand sogar über alle Stockwerke in meterhohen Buchstaben geschrieben: "F1-GP 13.-15. April".

Nun waren wir also in der Wüste angekommen. Ein weiterer Schwitz-Grand Prix sollte anstehen, Wüstensand und Fatamorgans bei flimmernder Hitze. Doch: zunächst nichts davon, sondern das Gegenteil: verkehrte Welt: "Natürlich" hat es GEREGNET, dazu wehte ziemlich kräftiger Wind. Man kam sich ein bisschen vor wie an der Nordsee, nur dass die Temperaturen auch nachts um elf natürlich noch wesentlich angenehmer waren. Der Regen spülte den ganzen Sand, der über dem Wüstenstaat in der Luft ist, nach unten, und so legte sich eine dicke Dreckschicht über Autos und Straßen.

Am Donnerstagmorgen ging es dann an die Rennstrecke. Zunächst aber, hieß es noch den Leihwagen auftanken, denn den haben wir mit leerem Tank bekommen - äußerst ungewöhnlich! Aber bei den Spritpreisen war das nicht wirklich schlimm. Darf ich Euch neidisch machen? Umgerechnet 20 Eurocent für den Liter Super, da denkt man mit Grauen daran, das nächste Mal wieder zu Hause tanken zu müssen.

Gigantische Streckenanlagen sind ja toll, aber zum Arbeiten sind kleine überschaubare Fahrerlager wie Imola wesentlich angenehmer. Gerade am Donnerstag eilt man von Team zu Team, von einem Fahrer zum nächsten und muss dabei unglaublich weite Strecken laufen. Gott sei Dank hatte ich bequeme Schuhe an! Was allerdings weniger geschickt war, war meine Wahl, einen bodenlangen Wickelrock anzuziehen. So etwas ist bei starken Windböen wie in Bahrain weniger geeignet, bereitet im Gegenzug den Mechanikern allerdings viel Freude, wenn sie beobachten, wie ich hektisch versuche, die Stoffteile dahin zu drücken, wo sie hingehören.

Donnerstagabend hieß es Party feiern, erst im, dann vor dem Fahrerlager. Ab 18:00 Uhr luden die Organisatoren zur großen Welcome-Party, bei der sich das Fahrerlager in eine große Open-Air-Disco verwandelte. Direkt auf der Freifläche der BMW Sauber F1 Team Hospitality spielte eine Rock/Pop-Coverband, davor stand eine Bühne für Breakdancer und andere Showeinlagen. An Bars gab es alles vom Saft über Bier bis zum Wein, und leckere Häppchen wurde gereicht. Hut ab übrigens vor dem BMW Sauber F1 Team: Trotz ohrenbetäubender Lautstärke - die Band spielte so laut, dass man sich anschreien musste, wenn man sich unterhalten wollte - hielt das Team nur zwei Meter hinter der Band, durch eine Glasscheibe getrennt, tapfer das Teammeeting ab. 

Um 19:30 Uhr zogen alle weiter vor das Fahrerlager, wo die GP2-Serie ihre große Saisonauftakt-Party feierte. Die fand glücklicherweise in einem Zelt statt, denn "natürlich" - schließlich waren wir in der Wüste - schüttete es wieder wie aus Eimern. DJs aus England sorgten für den richtigen Clubsound, dazu gab es ein großes Büffet mit internationalen Köstlichkeiten. Auch die Formel-1-Piloten Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen ließen es sich nicht nehmen, bei ihren Kollegen aus der GP2 vorbeizuschauen.

Angeblich soll es in der Nacht auf Freitag sogar einen Tornado über der Rennstrecke gegeben haben, ein Zelt sei sogar bis nach Saudi-Arabien geflogen. (Fliegende Zelte statt fliegender Teppiche? Tausend und eine Nacht hat es weit gebracht...) Wie gesagt, angeblich, bestätigt wurde mir das nicht. Allerdings war es sehr stürmisch, und in der Stadt Manama selbst kam in der Nacht ein Wolkenbruch nach dem anderen vom Himmel.

Am Freitagabend zog ich mit Kollegen dann los, um das kulinarische Angebot rund um unser Hotel zu erkunden. Wir wohnten direkt in der Nähe einer Straße mit Restaurants und Shops, und so hatten wir die Qual der Wahl. Wir entschieden uns für den "Yum Yum Tree Food Court". Dort kann man an verschiedenen Tresen wählen zwischen Japanisch, Italienisch, Arabisch, Burgern und Salaten. Für umgerechnet vier Euro gibt es ein wunderbares Abendessen, das einem nach der Bestellung am Tresen sogar von einem Kellner an den Tisch gebracht wird.

Und ein großer Vorteil: Man kann draußen auf der Terrasse sitzen. Da es endlich mal nicht regnete, wählten wir diese Option. Und da konnte ich ein Phänomen beobachten, das mir schon aus meiner bayerischen Heimatstadt sehr vertraut ist: Das Autocorsofahren der rollenden Discos in lauen Sommernächten. Offenbar war dieser Straßenzug einer, auf dem gilt: Sehen und gesehen werden. Während wir da saßen und unsere gebackenen Shrimps aßen, gab es mehrere dicke Wagen, die immer wieder vorbeifuhren - ganz wie zu Hause halt, nur eben zu weitaus billigeren Spritpreisen! Dabei geben sich die Autofahrer nicht zimperlich - eine junge Frau hätte mich fast umgefahren, wenn mein Kollege mich nicht rechtzeitig zur Seite gezogen hätte. Davon mal abgesehen musste ich aber wieder feststellen: Die Bahrainis sind rundherum gastfreundliche Menschen, die einen mit offenen Armen empfangen heißen. 

So gut die Restaurants sind - für mein gemütliches Feierabendbier mussten wir dann doch weiterziehen. Denn: Bahrain ist und bleibt ein muslimisches Land und so ist Alkohol in den meisten normalen Restaurants tabu. Wir wurden fündig in einem sehr guten Hotel um die Ecke, im dortigen "Wranglers Wild West Saloon". Das war auch ziemlich kurios: Man geht durch die elegante, klassische Eingangshalle des Hotels, öffnet die Tür zum Saloon und steht plötzlich in einer dunklen, verrauchten Kneipe, in der Heavy-Metal-Musik aus den Boxen dröhnt, Baseball auf Großbildleinwand übertragen wird und die Bar unzählige Bier- und Whiskysorten aus aller Welt bietet.

Das Bier verhalf mir allerdings nicht gerade zu einem seligen Schlaf. Denn hier kommen wir zu den weniger angenehmen Seiten Bahrains. Eines stellen die meisten Formel-1-Leute immer wieder fest: Bahrain boomt zwar auf der einen Seite, so strahlend und luxuriös wie Dubai ist es aber nicht, eher etwas gammeliger. In meinem Hotelzimmer zum Beispiel ging weder die Nachttischlampe noch der Ventilator. Eigentlich bin ich ja kein Freund von Klimaanlagen, aber da es so heiß war, dass nicht einmal ich (und ich habe einen gesunden Schlaf) schlafen konnte, beschloss ich mutig, die wenig Vertrauen erweckende Klimaanlage anzuschalten. Die röhrte jedoch so laut, als ob jemand neben meinem Bett mit einem Presslufthammer zu Gange ist. Aber noch schlimmer erwischte es andere Kollegen: Die teilten sich ein nagelneues Appartement für umgerechnet 500 Euro pro Nacht, allerdings war es so neu, dass noch keine Leitungen für Telefon, Fernseher etc. verlegt waren.

Nach dem Regen der ersten Tage bekamen wir am Sonntagmorgen endlich richtiges Wüstenfeeling: Über dem ganzen kleinen Land lag ein großer Sandsturm, die ganze Luft schimmerte gelb und alles, was weiter entfernt war, ließ sich nur noch schemenhaft erkennen. Dazu die Atmosphäre an der Rennstrecke: Vor der Haupttribüne waren große Ruheoasen mit orientalischen Sitzkissen und Palmen eingerichtet, dazu dröhnte aus dem Lautsprecher arabische Popmusik (sehr laut übrigens, wie alles in diesem Land), im Fahrerlager gab es gemütliche Sitzbänke unter großen Sonnensegeln - da fühlte sich Bahrain wie Bahrain an und man wartete nur drauf, dass gleich Lawrence of Arabia um die Ecke geritten kam.

Riesig gefreut habe ich mich über die tolle Leistung von Nick Heidfeld und dem BMW Sauber F1 Team: Als Heidfeld Weltmeister Fernando Alonso überholte, gab es im Pressezentrum viel Applaus, und direkt nach dem Zieleinlauf feierte das Team, als habe es das Rennen gewonnen. Alle lagen sich in den Armen, übermutig wurde mit Bier herumgespritzt, Motorsportdirektor Mario Theissen strahlte mit seinen Jungs um die Wette und als Heidfeld endlich auch dazu kam, wurde er mit großem Jubel empfangen. 

Tja, und kurz darauf hieß es auch schon wieder: Auf Wiedersehen Bahrain, zurück in die westliche Welt. Das perfekte Bild dazu lieferte mir im Flugzeug abermals eine junge Frau: Mit langem schwarzem Mantel und fast vollständig verschleiert stieg sie - ganz arabisch - ein, nach dem Start aber nahm sie sofort den Schleier ab, zog den Mantel aus und ein knappes T-Shirt an, schminkte sich und stieg nach der Landung ganz westlich wieder aus.

Jetzt macht die Formel 1 vier Wochen Pause, weiter geht es am 13. Mai mit dem Großen Preis von Spanien in Barcelona und von dort wird sich dann wieder wie gewohnt "(Inga) Stracke von der Strecke" melden.

Viele Grüße, Eure Britta Weddige

 
     

   
 

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